Warum ein Lebensmittelhersteller seine Lieferanten neu denken musste

Ein mittelgroßer Hersteller von gekühlten Fertiggerichten kämpfte seit Jahren mit stark schwankenden Rohstoffpreisen und unzuverlässigen Lieferterminen. Besonders betroffen waren Gemüse, Milchprodukte und Verpackungsmaterialien, die aus unterschiedlichen Ländern bezogen wurden. Die Produktionsplanung war permanent im Krisenmodus, weil kurzfristige Ausfälle und Qualitätsprobleme immer wieder zu Umstellungen führten. In dieser angespannten Lage erhielt Team Radner den Auftrag, ein praxisnahes Risikomanagement in der Lieferkette und bei Lieferanten aufzubauen, das nicht nur Risiken sichtbar macht, sondern auch die tägliche Steuerung verbessert.

Der Einstieg in das Projekt begann bewusst nicht mit Tabellen und Kennzahlen, sondern mit einem Rundgang durch Produktion und Lager. Team Radner wollte verstehen, wie sich Risiken im Alltag tatsächlich bemerkbar machen. Mitarbeitende berichteten von Last-Minute-Rezepturänderungen, weil bestimmte Gemüsesorten fehlten, und von Überstunden, wenn Verpackungen verspätet eintrafen. Gleichzeitig lagen im Lager immer wieder Überbestände, weil der Einkauf aus Angst vor Engpässen zu viel bestellt hatte. Diese Eindrücke machten deutlich, dass fehlendes Risikomanagement nicht nur abstrakte Gefahr, sondern tägliche Realität war.

Im nächsten Schritt kartierte Team Radner die gesamte Wertschöpfungskette vom Rohstoff bis zum Handelspartner. Für jede Produktgruppe wurden die wichtigsten Lieferanten, Transportwege und Lagerpunkte erfasst. Dabei fiel auf, dass der Lebensmittelhersteller in einigen Bereichen stark von wenigen Lieferanten abhängig war, insbesondere bei bestimmten Bio-Zutaten. Gleichzeitig existierten kaum schriftlich fixierte Notfallpläne, falls ein Lieferant ausfallen sollte. Diese Erkenntnis führte zu der Entscheidung, die Risiken nicht nur auf Lieferantenebene, sondern auch auf Produktebene zu betrachten.

Team Radner entwickelte ein Modell, das die Kritikalität von Rohstoffen mit der Verwundbarkeit der Lieferkette verknüpfte. Kriterien waren unter anderem Verfügbarkeit am Markt, Haltbarkeit, Substituierbarkeit in Rezepturen und Bedeutung für umsatzstarke Produkte. Auf dieser Basis entstand eine Matrix, die zeigte, welche Kombinationen aus Rohstoffen und Lieferanten besonders riskant waren. Es stellte sich heraus, dass einige scheinbar unspektakuläre Zutaten, etwa bestimmte Gewürzmischungen, eine hohe Hebelwirkung hatten, weil sie in vielen Rezepturen vorkamen und nur von einem Lieferanten bezogen wurden.

Parallel dazu analysierte Team Radner die bestehenden Lieferantenverträge. Viele Vereinbarungen waren historisch gewachsen und enthielten kaum Regelungen zu Lieferflexibilität, Mindestbeständen oder Eskalationsmechanismen. In Gesprächen mit dem Einkauf wurde deutlich, dass Preisverhandlungen im Vordergrund standen, während Risikothemen selten systematisch adressiert wurden. Diese Erkenntnis war ein wichtiger Ausgangspunkt, um das Rollenverständnis des Einkaufs zu erweitern. Künftig sollte nicht nur der günstigste, sondern der risikoadäquateste Lieferant bevorzugt werden.

Um eine gemeinsame Sprache für Risiken zu etablieren, führte Team Radner Workshops mit Einkauf, Qualitätssicherung, Produktion und Vertrieb durch. In diesen Workshops wurden typische Risikoszenarien aus der Lebensmittelbranche durchgespielt, etwa Ernteausfälle, Rückrufaktionen oder plötzliche Nachfragepeaks im Handel. Die Teilnehmenden bewerteten gemeinsam die Eintrittswahrscheinlichkeit und die Auswirkungen auf das eigene Unternehmen. Dieser interdisziplinäre Austausch schuf ein gemeinsames Verständnis dafür, welche Risiken wirklich kritisch sind und wo bisherige Annahmen korrigiert werden mussten.

Auf Basis der Workshop-Ergebnisse entwickelte Team Radner ein Scoring-Modell für Lieferantenrisiken. Das Modell berücksichtigte Faktoren wie Liefertreue, Qualitätshistorie, Zertifizierungen, finanzielle Stabilität und geografische Lage. Zusätzlich floss ein, wie transparent der jeweilige Lieferant über eigene Vorlieferanten und Anbaugebiete informierte. Jeder Lieferant erhielt einen Risikoscore, der regelmäßig aktualisiert werden konnte. Dieses Scoring bildete die Grundlage für eine neue Segmentierung der Lieferanten in strategische Partner, Entwicklungskandidaten und potenzielle Auslaufkandidaten.

Besonders spannend war die Arbeit mit den strategischen Partnern. Team Radner initiierte gemeinsame Risikoworkshops mit ausgewählten Gemüse- und Molkereilieferanten. In diesen Runden wurden nicht nur Risiken identifiziert, sondern auch gemeinsame Maßnahmen entwickelt. Dazu gehörten etwa abgestimmte Ernteplanungen, Investitionen in Bewässerungssysteme, Vereinbarungen über Pufferlager und abgestufte Lieferprioritäten in Krisenzeiten. Durch diese Kooperation entstand ein Netzwerk, das auf gegenseitigem Verständnis und langfristiger Planung beruhte, statt nur auf jährlichen Preisrunden.

Ein weiterer Fokus lag auf der Flexibilisierung der Rezepturen. Gemeinsam mit der Produktentwicklung analysierte Team Radner, bei welchen Produkten Rohstoffe ohne Qualitätsverlust oder Markenbruch ausgetauscht werden konnten. Ziel war es, Substitutionsoptionen zu schaffen, die im Ernstfall schnell aktiviert werden konnten. Für diese Optionen wurden bereits im Vorfeld Lieferanten qualifiziert und Freigaben der Qualitätssicherung eingeholt. Dadurch entstand ein System, in dem die Produktion bei Engpässen nicht improvisieren musste, sondern auf vorbereitete Alternativen zurückgreifen konnte.

Um die operative Steuerung zu verbessern, etablierte Team Radner ein Frühwarnsystem für kritische Rohstoffe. Dieses System kombinierte interne Bestands- und Bedarfsdaten mit externen Informationen zu Wetterlagen, Ernteprognosen und Marktentwicklungen. Bei definierten Schwellenwerten wurden automatische Warnungen ausgelöst, die Einkauf und Produktionsplanung gemeinsam adressierten. In regelmäßigen Risikomeetings wurden diese Signale besprochen und konkrete Maßnahmen beschlossen, etwa Vorziehbestellungen, Umplanung von Produktionsläufen oder Aktivierung von Zweitlieferanten.

Ein zentrales Element des Projekts war die Integration des Risikomanagements in die Jahresplanung. Team Radner unterstützte den Lebensmittelhersteller dabei, Risiken in Budget- und Mengenplanungen systematisch zu berücksichtigen. Für besonders volatile Rohstoffe wurden Szenariobudgets definiert, die Preisschwankungen abfedern konnten. Gleichzeitig wurden mit dem Vertrieb Vereinbarungen getroffen, wie bei Engpässen priorisiert wird, um margenstarke Produkte zu schützen. Diese Abstimmung reduzierte interne Konflikte und schuf Klarheit für alle Beteiligten.

Nach etwa neun Monaten zeigten sich deutliche Verbesserungen. Die Zahl der kurzfristigen Produktionsumstellungen ging spürbar zurück, weil Engpässe früher erkannt und abgefedert wurden. Gleichzeitig konnten Lagerbestände gezielt reduziert werden, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden. Die Marge stabilisierte sich, weil Preisspitzen bei Rohstoffen besser antizipiert und verhandelt werden konnten. Team Radner dokumentierte diese Effekte in einem Reporting, das dem Management half, den wirtschaftlichen Nutzen des Risikomanagements klar zu sehen.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für die neue Resilienz ergab sich während einer unerwarteten Hitzewelle, die zu Ernteausfällen bei bestimmten Gemüsesorten führte. Während Wettbewerber Lieferausfälle meldeten und Produkte aus dem Handel nehmen mussten, konnte der Lebensmittelhersteller dank vorbereiteter Substitutionsrezepturen und aktivierter Zweitlieferanten weiterliefern. Die Handelskunden honorierten diese Zuverlässigkeit mit zusätzlichen Regalflächen und langfristigen Listungszusagen. Dieser Marktvorteil war ein direktes Ergebnis der zuvor aufgebauten Strukturen.

Auch kulturell veränderte sich einiges im Unternehmen. Risiken wurden nicht mehr als lästige Störung, sondern als gestaltbare Größe verstanden. Mitarbeitende aus unterschiedlichen Bereichen begannen, proaktiv Hinweise auf potenzielle Risiken zu teilen. Team Radner hatte bewusst Formate geschaffen, in denen solche Beobachtungen aufgenommen und bewertet wurden. Dadurch entstand ein lebendiges System, das sich kontinuierlich weiterentwickelte, statt nach Projektende zu erstarren.

Im Bereich Compliance und Lebensmittelsicherheit brachte das strukturierte Risikomanagement zusätzliche Sicherheit. Durch die systematische Bewertung von Lieferanten nach Zertifizierungen, Rückrufhistorie und Hygienestandards konnten potenzielle Schwachstellen frühzeitig identifiziert werden. In mehreren Fällen wurden gemeinsam mit Lieferanten Verbesserungsprogramme aufgesetzt, die Auditfrequenz erhöht und klare Meilensteine vereinbart. Wo keine Bereitschaft zur Verbesserung erkennbar war, wurde die Zusammenarbeit beendet und Alternativen aufgebaut. So sank das Risiko kostspieliger Rückrufaktionen deutlich.

Am Ende des Projekts stand ein Lebensmittelhersteller, der seine Lieferkette nicht mehr als unberechenbares Umfeld, sondern als aktiv gestaltbaren Erfolgsfaktor sah. Die Kombination aus strukturiertem Lieferantenrisikomanagement, flexiblen Rezepturen, Frühwarnsystemen und partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit Schlüssellieferanten hatte eine robuste Basis geschaffen. Team Radner hinterließ ein System, das sowohl den operativen Alltag entlastete als auch strategische Entscheidungen fundierter machte. Die Lieferkette war damit nicht nur widerstandsfähiger, sondern auch zu einem Wettbewerbsvorteil geworden.

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