



Ein überregional tätiger Modehändler mit Filialnetz in mehreren Großstädten stand vor einer existenziellen Herausforderung. Sinkende Frequenzen in den Innenstädten, der wachsende Online-Wettbewerb und hohe Fixkosten hatten die Ertragslage massiv belastet. Die Corona-Pandemie hatte diese Entwicklung zusätzlich beschleunigt und die Liquiditätsreserven aufgezehrt. In dieser Situation wurde Team Radner beauftragt, eine umfassende finanzielle Restrukturierung von Unternehmen zu entwickeln, die nicht nur kurzfristig stabilisiert, sondern das Geschäftsmodell zukunftsfähig ausrichtet.
Der erste Schritt bestand in einer detaillierten Analyse der Filialstruktur. Team Radner bewertete jede Filiale anhand von Umsatz, Deckungsbeitrag, Mietbelastung und Standortpotenzial. Dabei zeigte sich, dass ein Teil der Filialen trotz rückläufiger Umsätze noch positive Beiträge leistete, während andere Standorte dauerhaft defizitär waren. Besonders problematisch waren lange Mietverträge mit hohen Indexierungen in 1A-Lagen, die sich nicht mehr durch entsprechende Umsätze rechtfertigen ließen. Diese Erkenntnisse bildeten die Grundlage für die weitere Strategie.
Parallel dazu wurde die Online-Aktivität des Unternehmens untersucht. Der bestehende Webshop war technisch veraltet, schlecht integriert und trug nur einen geringen Anteil zum Gesamtumsatz bei. Team Radner analysierte die Kostenstruktur des E-Commerce-Kanals, die Retourenquoten und die Marketingausgaben. Schnell wurde klar, dass der Online-Vertrieb zwar Potenzial hatte, aber ohne klare Strategie und Investitionen keine kurzfristige Entlastung bringen würde. Die finanzielle Restrukturierung musste daher sowohl stationäre als auch digitale Aspekte berücksichtigen.
Ein zentrales Thema war die Liquidität. Die Lager waren voll mit Saisonware, die sich nur mit hohen Rabatten abverkaufen ließ. Gleichzeitig standen Zahlungen an Lieferanten und Vermieter an. Team Radner erstellte einen kurzfristigen Liquiditätsplan, der verschiedene Szenarien für Abverkäufe, Mietstundungen und Zahlungsziele abbildete. Dieser Plan zeigte, dass ohne schnelle Maßnahmen innerhalb weniger Monate Zahlungsunfähigkeit drohte. Die Dringlichkeit der Situation wurde dadurch für alle Beteiligten greifbar.
Auf Basis dieser Analyse entwickelte Team Radner ein mehrstufiges Restrukturierungskonzept. In einer ersten Phase sollten Liquidität gesichert und akute Risiken entschärft werden. Dazu gehörten Gespräche mit Vermietern über temporäre Mietreduzierungen, Stundungen und mögliche Vertragsänderungen. Gleichzeitig wurden mit Lieferanten Vereinbarungen über verlängerte Zahlungsziele und angepasste Ordermengen getroffen. Ziel war es, den kurzfristigen Cash-Abfluss zu reduzieren, ohne die Lieferfähigkeit zu gefährden.
Die Verhandlungen mit den Vermietern waren anspruchsvoll, da diese selbst unter Druck standen. Team Radner bereitete für jeden Standort individuelle Argumentationslinien vor, basierend auf Umsatzentwicklungen, Standortanalysen und Vergleichsmieten. In vielen Fällen konnte erreicht werden, dass Mieten vorübergehend reduziert oder umsatzabhängig gestaltet wurden. In einigen Fällen wurden auch vorzeitige Vertragsauflösungen vereinbart, wenn klar war, dass eine Filiale langfristig nicht mehr tragfähig war. Dadurch konnten hohe zukünftige Verpflichtungen vermieden werden.
Parallel dazu wurde die Finanzierungssituation mit den Banken neu geordnet. Das Unternehmen hatte verschiedene Kontokorrentlinien und Darlehen, die teilweise aus der Expansion der vergangenen Jahre stammten. Team Radner erarbeitete ein Konzept zur Umwandlung eines Teils der kurzfristigen Verbindlichkeiten in langfristige Finanzierungen. Gleichzeitig wurde ein zusätzlicher Kreditrahmen zur Finanzierung der digitalen Transformation beantragt. Die Banken verlangten dafür ein belastbares Zukunftskonzept, das die Rückkehr zu profitablen Strukturen plausibel machte.
Ein wesentlicher Bestandteil dieses Zukunftskonzepts war die Neuausrichtung des Sortiments und der Beschaffungsstrategie. Team Radner analysierte die Margen nach Warengruppen, Marken und Lieferanten. Es zeigte sich, dass Eigenmarken und exklusive Kooperationen deutlich höhere Deckungsbeiträge erzielten als austauschbare Markenware. Auf dieser Basis wurde die Sortimentspolitik angepasst, und der Anteil der margenstarken Produkte wurde erhöht. Gleichzeitig wurden Orderzyklen verkürzt, um flexibler auf Trends reagieren und Überbestände vermeiden zu können.
Die finanzielle Restrukturierung von Unternehmen in diesem Fall umfasste auch eine tiefgreifende Optimierung des Working Capital. Lagerbestände wurden systematisch reduziert, ohne die Verfügbarkeit von Kernartikeln zu gefährden. Team Radner führte gemeinsam mit dem Einkauf ein neues Dispositionssystem ein, das auf Echtzeitdaten zu Abverkäufen basierte. Dadurch konnten Nachbestellungen besser gesteuert und Abschriften reduziert werden. Die frei werdende Liquidität wurde genutzt, um Verbindlichkeiten abzubauen und Zinskosten zu senken.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Digitalisierung der Vertriebskanäle. Der Webshop wurde technisch erneuert und eng mit den Filialbeständen verknüpft. Click-&-Collect-Modelle und Ship-from-Store-Konzepte ermöglichten eine bessere Auslastung der Lagerbestände und reduzierten Lieferzeiten. Team Radner unterstützte bei der Erstellung eines Businessplans für den E-Commerce-Kanal, der Investitionen, Marketingbudgets und erwartete Umsätze realistisch abbildete. Dieser Plan war ein wichtiger Bestandteil der Gespräche mit den Banken und Investoren.
Die organisatorische Struktur des Unternehmens wurde ebenfalls angepasst. Bisher waren stationärer Handel und Online-Geschäft weitgehend getrennt organisiert, was zu Doppelstrukturen und ineffizienter Steuerung führte. Team Radner schlug eine integrierte Omnichannel-Organisation vor, in der Sortimentsplanung, Marketing und Logistik kanalübergreifend gesteuert werden. Diese Umstellung erforderte Veränderungen in Verantwortlichkeiten und Prozessen, wurde aber als notwendig erkannt, um die Zukunftsfähigkeit zu sichern.
Ein sensibles Thema war der Personalbereich. Die Schließung unrentabler Filialen und die Neuorganisation führten zwangsläufig zu einem Abbau von Stellen. Team Radner begleitete die Geschäftsführung bei Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretungen und entwickelte sozialverträgliche Lösungen, darunter Transfergesellschaften und Qualifizierungsangebote. Gleichzeitig wurden in zentralen Funktionen neue Kompetenzen aufgebaut, insbesondere im Bereich E-Commerce, Datenanalyse und integriertes Finanzcontrolling.
Im Verlauf der Umsetzung etablierte Team Radner ein enges Monitoring der Restrukturierungsfortschritte. Monatliche Steuerungsrunden mit der Geschäftsführung und den Bereichsverantwortlichen sorgten dafür, dass Abweichungen frühzeitig erkannt wurden. Kennzahlen wie Flächenproduktivität, Online-Anteil am Umsatz, Lagerumschlag und Liquiditätsreichweite standen im Fokus. Diese Transparenz half, Prioritäten klar zu setzen und Ressourcen gezielt einzusetzen.
Nach etwa zwölf Monaten zeigten sich erste deutliche Erfolge. Die Fixkostenbasis war durch Mietanpassungen und Filialschließungen spürbar gesunken. Der Online-Umsatz hatte sich erhöht und trug nun einen relevanten Anteil zum Gesamtgeschäft bei. Die Lagerbestände waren besser auf die Nachfrage abgestimmt, und Abschriften konnten reduziert werden. Die Liquiditätssituation hatte sich stabilisiert, und die Banken bestätigten die Einhaltung der vereinbarten Covenants.
In einer zweiten Phase verlagerte sich der Fokus von der reinen Stabilisierung auf profitables Wachstum. Team Radner unterstützte bei der Entwicklung einer klaren Markenpositionierung, die sich stärker auf definierte Zielgruppen konzentrierte. Sortiment, Preisstrategie und Marketing wurden darauf ausgerichtet, diese Zielgruppen kanalübergreifend anzusprechen. Die finanzielle Restrukturierung bildete damit die Grundlage für eine strategische Neuausrichtung, die über kurzfristige Kostensenkungen hinausging.
Die Wirkung dieser Maßnahmen zeigte sich in den folgenden Geschäftsjahren. Die Umsatzentwicklung stabilisierte sich, die Profitabilität verbesserte sich, und das Unternehmen gewann wieder an Attraktivität für Lieferanten und Vermieter. Neue Kooperationspartner konnten gewonnen werden, und die Verhandlungsmacht gegenüber dem Vermietermarkt stieg. Die zuvor kritische Situation hatte sich in eine kontrollierte, zukunftsorientierte Entwicklung verwandelt.
Dieser Fall macht deutlich, dass eine finanzielle Restrukturierung von Unternehmen im Modehandel weit mehr ist als das Neuverhandeln von Krediten. Sie greift tief in Geschäftsmodell, Filialstruktur, Sortimentspolitik und Organisation ein. Team Radner konnte in diesem Projekt zeigen, wie durch eine konsequent umgesetzte Kombination aus finanzieller Neuordnung, Working-Capital-Optimierung und digitaler Transformation ein Modehändler nicht nur gerettet, sondern für die kommenden Marktveränderungen gestärkt werden kann.
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